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Seit Beginn des großangelegten Krieges leidet Charkiw täglich unter dem Beschuss seitens der russischen Streitkräfte. Ein Teil der Bevölkerung ist weggefahren, es gibt aber diejenigen, die die Stadt trotz allem nicht verlassen können. Einige Einwohner von Saltiwka, dem durch die russischen Angriffe am meisten betroffenen Bezirk im Nordosten der Stadt, leben jetzt im Keller eines lokalen Gymnasiums. Jana Sidasch, Fotografin aus Lwiw, berichtet darüber, wie sich das Leben dieser Menschen veränderte.

Saltiwka ist ein großes Wohngebiet und zugleich ein Bezirk von Charkiw. Vor Beginn des großangelegten Krieges mit Russland lebten dort etwa 400.000 Menschen – fast ein Drittel der Stadtbevölkerung. Die russische Armee beschoss Saltiwka seit den ersten Kriegstagen. Mancherorts gibt es bis jetzt zahlreiche Angriffe.

Besonders der Bezirksteil Piwnitschna Saltiwka (Nordsaltiwka – Übers.) wurde durch schwere Artillerie extrem beschädigt. Die russischen Besatzer zerstörten bereits etwa 70% Wohnhäuser und ziviler Infrastruktur. Dort, wo vor Beginn der Kriegshandlungen Hunderttausende Menschen lebten, ist heute kein Gebäude mehr unversehrt.

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Die Fotografin Jana Sidasch sprach mit acht Menschen, die sich vor dem Krieg nicht kannten. Am 24. Februar um 5 Uhr morgens wurden sie von Explosionen geweckt und rannten aus ihren Wohnungen. Sie hatten keine Sachen mit, sie wussten nicht, wo sie sich verstecken können, so fanden sie den erstbesten Versteck im Keller eines naheliegenden Gymnasiums. Bis heute bleiben sie immer noch dort. Die acht Menschen sind nun zu einer Familie geworden.

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Im Keller des Gymnasiums gibt es keinen Strom, Wasserleitung oder Gas. Aber diese kleine Gruppe Menschen, vereint durch den Krieg, richtete einen zum Leben geeigneten Raum im Keller ein. Jana erzählt, dass die Kellerbewohner freundlich und offen sind, und jeder von ihnen versucht, dem anderen gegenüber nützlich und hilfsbereit zu sein.

Alla Prychodtschenko
Rentnerin, die als Schulwartin in einer Abendschule tätig war. Ihr Haus wurde völlig zerstört. Sie hilft, den Keller sauberzuhalten.

Natalija Skwortzowa
Arbeitet bereits seit 22 Jahren als Sekretärin dieses Gymnasiums. In ihrer Freizeit widmet sie sich der Perlenstickerei. Im Keller sammelt sie humanitäre Hilfe für andere Menschen.

Jewhenij Kryworutschko
Natalijas Sohn, Student der Nationalen Pädagogischen Hryhorij-Skoworoda-Universität in Charkiw. Er besuchte dieses Gymnasium. Gerne löst er einen Zauberwürfel. Im Keller sammelt und verteilt er humanitäre Hilfe zusammen mit seiner Mutter.

Natalija und Oleh Afanasenko
Ein Ehepaar. Vor dem Krieg arbeitete die Frau als Verkäuferin, der Mann war früher als Wachmann tätig. Im Keller bereitet sie Essen zu und er ist für Brennholz zuständig.

Liudmyla und Walerij Hrezkych
Ein Ehepaar, das bei alltäglichen Aufgaben hilft, den Hof vor dem Kellereingang fegt und Brennholz sammelt. Auch betet die Frau ständig für alle, die im Keller leben.

Laryssa Demjanenko
Vor dem Krieg arbeitete sie bei Charkiwoblenergo, dem Energieversorgungsunternehmen der Region Charkiw. Sie kümmert sich um zurückgelassene Tiere. Insgesamt sind acht Katzen und ein Hund unter ihrer Obhut. Im Keller des Gymnasiums pflegt sie die dort vorübergehend lebenden Tieren; auch hilft sie bei der Verteilung der humanitären Hilfe.

Das Leben in Charkiw, insbesondere im Stadtbezirk Saltiwka, ist immer noch sehr gefährlich. Die russischen Streitkräfte beschießen weiterhin die Stadt. Aus diesem Grund verbringen die Einwohner von Charkiw die meiste Zeit in Kellern oder Schutzbunkern und gehen nur selten nach draußen.
Die tägliche Routine hilft den Bewohnern des Kellers im Gymnasium, eine Ablenkung von der schrecklichen Realität zu finden. Ihr Morgen beginnt so: sich waschen, Feuer anlegen, kochen und miteinander sprechen. Danach macht jeder seine Arbeit — jemand verteilt humanitäre Hilfe für andere Wohnviertel von Saltiwka, die anderen räumen das Gymnasium auf, welches mehrfach von russischen Bomben getroffen wurde.

Natalija Skwortzowa erklärte sich bereit, das Gymnasium zu zeigen, obwohl sie aufgrund ständiger Explosionen Angst hatte, dies zu tun. Die Frau kennt sehr gut jeden Raum und seine Geschichte. Sie findet es schade, dass das Museum des militärischen Ruhms des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde und dass im Gewächshaus, einst Juwel des Gymnasiums, nur trockene Pflanzen zu sehen sind. Ungeachtet des Schmerzes über diese Verluste, bleiben die acht Kellerbewohner hoffnungsvoll und glauben an den Sieg:

„Das Gymnasium ist nun unser Zuhause. Wir lieben es und wir sind dafür verantwortlich.“

Beitragende

Idee:

Bogdan Logwynenko

Text,

Foto:

Jana Sidasch

Redaktion:

Anja Jablutschna

Bildredaktion:

Jurij Stefanjak

Übersetzung:

Oleksandr Lupaschko

Redaktion der Übersetzung:

Oleksiy Obolenskyy

Contentmanagement:

Anastasija Schochowa