Quer durch Amerika reisen und eine eigene Ranch bauen

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„Das Beste, was ich in meinem Leben unternommen habe, ist meine Reise quer durch Amerika“, sagt Ostap Lun, ein Geschäftsmann aus Lwiw. Als er nach der Reise im Jahr 2012 zurückkehrte , hatte er verstanden, dass man etwas Größeres schaffen sollte, als nur ein Geschäft zu führen. Dutzende Kilometer von der Stadt entfernt entstand die Ranch „Skarbowa Hora“ (der Schatzberg – Üb.), wo sich seine Begeisterung von der Amerikareise mit dem Kindheitstraum zu reiten verbunden haben. „Skarbowa Hora“ wurde zu keiner gewöhnlichen Ranch, wo Gäste nur empfangen werden. Dieser Ort wurde zu einem der Zentren der Pferdezucht. Außerdem wird genau hier die Hippotherapie für Kinder betrieben und genau hier beginnen die von Ostap geplanten Pferdewanderungen durch Galizien.

Von der Kindheit an träumte Ostap vom Reiten. Als er 14 Jahre alt wurde, sammelte er während des Sternsingens genug Geld, um zwei Monate lang Reitunterricht zu nehmen. Die Eltern konnten es sich damals nicht leisten, ein solches Hobby zu finanzieren, weshalb Ostap für einige Zeit auf seine Leidenschaft verzichten musste.

Doch nach zwanzig Jahren wurde sein Kindheitstraum wieder wach. Das erste Mal nach der langen Pause stieg Ostap aufs Pferd in Lwiw:

– Ich bin ganz zufällig in einen Pferdestall geraten, wo ich jemanden gebeten habe, auf ein Pferd zu steigen, und so wurde mein früherer Impuls schrittweise aufgefrischt.

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2012 reiste Ostap Lun mehrere Monate durch die USA, wo er viele Rodeos und weitere Wettbewerbe besuchte, die in den USA besonders berühmt sind. Während dieser Zeit kam er auf die Idee, eine eigene Ranch zu bauen, um mehr Zeit in der Natur zu verbringen und mit den Tieren zu interagieren:

– Zufällig bin ich auf eine Hütte gestoßen, die sich genau hinter diesem Hügel befindet. Langsam fing ich an, dort zu wohnen. Danach ist es mir gelungen, mich mit der Gemeinde abzustimmen, und somit wurde mir ein Bauplatz zur Verfügung gestellt. Ich habe begonnen, eine eigene Ranch zu bauen. Zunächst habe ich eine Hütte für mich gebaut. Dort oben auf dem Berg gibt es zwei kleine Scheunen – das waren die ersten zwei Scheunen, in denen ich meine ersten zwei Pferde untergebracht habe. Im Jahre 2013 haben wir uns entschlossen, ein großes Gebäude zu errichten. Zuallererst haben wir den Pferdestall gebaut, damit Pferde genug Platz zum Wohnen haben, und erst danach haben wir allmählich das Gasthaus fertiggestellt.

Zuerst kaufte Ostap einen Sattel. Später erwarb t er sein erstes Pferd, Tristan. Heute leben Dutzende von Pferden auf dem „Skarbowa Hora“. Drei von ihnen wurden schon auf der Ranch geboren. Fast die ganze Zeit verbringen sie auf der Weide, ihrem natürlichen Lebensraum. Im Frühling und Sommer ernähren sie sich ausschließlich von Weidegras. Zu einer anderen Jahreszeit werden sie mit Heu und Hafer gefüttert:

– Das ist die Heuernte, die ich mähe. Dieses ganze Feld wird jedes Jahr gemäht. Wir ernten genug Heu für meine zehn Pferde. Dieses Jahr war aber sehr schlecht, da die Hälfte des Heus wegen des Regens verfault ist. Ich habe nur eine Hälfte des Heus geerntet, deshalb muss man es noch zusätzlich kaufen. Aber normalerweise haben wir den ganzen Stall mit Heu vollgestopft.

Hier gibt es einen Pferdestall, in dem die Pferde überwintern und sich manchmal bei einem schweren Unwetter verstecken:

– Man sagt, ein Pferdestall sei nicht für Pferde, sondern für die Pferdepfleger gedacht. Pferde bräuchten keinen Stall, für die Menschen sei es aber einfacher, sich um die Pferde zu kümmern.

Für die Pferdewanderungen, die Ostap von Anfang an geplant hatte, kaufte er entsprechende Ausrüstung, nämlich Westernsättel, die noch viel Platz für die andere Ausrüstung haben und mit welchen man ein paar Tage wandern kann.

Schatzberg

Ostap Lun erzählt, dass alle Einheimischen diesen Ort seit Langem als Schatzberg (Skarbowa Hora) bezeichnen. Ostap selbst glaubt, dass der größte Schatz in der Harmonie des Menschen mit der Natur liegt, sowie in der Ruhe und Energie dieses Ortes:

– Ich bin mit meiner Lebensart sehr zufrieden. Ich bin kein typischer Downshifter (Aussteiger), doch ich wohne in einem wunderschönen Ort, in dem alles wahrhaft ist. Heutzutage ist es meines Erachtens wirklich wertvoll, da es viel Fake gibt, von überall her. Wir werden unbewusst von den Politikern, Unternehmen, anderen Menschen und Social-Media manipuliert. Doch hier ist alles wahrhaft und ich spüre diese Naturkraft, die einerseits sehr zart, andererseits so mächtig ist.

Herr Lun ist an den Gemeindeaktivitäten aktiv beteiligt. Er errichtete ein Schild „Lopuschna“ vor der Einfahrt in das Dorf, initiierte die Säuberung der nahe gelegenen Mülldeponie, installierte Solarkollektoren und versucht sein Geschäft möglichst umweltfreundlich, mit den minimalen Eingriffen in die Natur, auszubauen.

Bevor Ostap Lun die Ranch gründete, war er fast 20 Jahre bei einer Firma tätig, die Geschirr und Elektrogeräte verkauft. Er ist der Gründer einer kleinen Bekleidungsfabrik, die sich auf Arbeitskleidung spezialisiert. Genau dieses Geschäft bietet ihm die Möglichkeit, sich seiner Lieblingsbeschäftigung zu widmen:

– Das ist ein Traum! Wie sich herausstellte, hatte ich Pferde schon von Kindheit an. Alles zu seiner Zeit! Ich wurde in der Stadt geboren. Meine Eltern auch. Wir hatten keinen Kontakt zum Land.

Pferde

Ein Pferd ist ein stolzes Tier mit seinem besonderen Charakter. Man kann es nicht zwingen, das zu tun, was Sie wollen. Sie können mit ihm nur verhandeln. Deshalb hat Ostap eine eigenartige Pferdesprache gelernt, die meistens aus der Körpersprache besteht, denn Tiere reagieren am besten auf Bewegung, Abstand und Änderungen der Körperposition. Wenn Harmonie und gegenseitiges Verständnis erreicht werden (das ist etwas, dass nicht beim ersten Training erreicht werden kann), dann ist das Pferd zum Unterricht zugelassen und demnächst zur Arbeit mit den Kindern. Solcher Lernprozess ist relativ zeitaufwendig, da es ab der Geburt eines Pferdes bis zu seinem vierten Lebensjahr dauern kann, bis es gesattelt werden kann.

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– Als ich mein erstes Pferd, Tristan, kaufte, hatte ich nach vier Monaten das Gefühl, dass ich alles über Pferde wusste: Ich las so viel, wusste so viel! Seit damals sind neun Jahre vergangen, und ich glaube, dass ich weniger über sie weiß als am Anfang. Es ist immer etwas Neues. Jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Stimmung, seine Art von Verhalten. Und es ist immer interessant. Wenn man „das Fass“ (ein Gehege, in dem Pferde trainiert werden – Üb.) mit einem Pferd betritt, vergisst man wirklich die Zeit.

Von zehn Pferden, die auf Skarbowa Hora leben, sind neun Stuten. Tristan, das erste Pferd von Ostap und der einzige Hengst auf der Ranch, ist eine Autorität für die ganze Herde. Falls ein Hindernis auftaucht, zeigt er, dass es keine Gefahr besteht und alle Pferde sich hinter ihm bewegen können.

Der erste Unterricht kann enden, bevor er überhaupt beginnt. Denn die erste Aufgabe besteht für mich darin, „das Fass“ mit dem Pferd alleine, ohne die ganze Herde, zu erreichen. Das Schlimmste, was man mit einem Pferd tun kann, ist es mit einer Aktion zu erschrecken. Dann ist es sehr schwer, es rückgängig zu machen. Deshalb sollte man ein Pferd bitten etwas zu tun, insbesondere wenn es nichts machen möchte, auf keinen Fall zwingen. Sobald es das tut, worum man es bittet, muss man das Pferd loben. Pferde können so stur wie Menschen sein und sich bewusst weigern, etwas zu tun. Dann kann man es natürlich dazu auffordern: Los, benimm dich.

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Die Hippotherapie ist eine einzigartige Behandlungs- und Rehabilitationsmethode, die sich auf die Interaktion des Menschen mit einem speziell trainierten Pferd gründet. Diese Methode ist seit Langem weltbekannt und seit den 1950er Jahren weit verbreitet. In der Ukraine hat Hippotherapie erst im letzten Jahrzehnt an Popularität gewonnen.

Das Spektrum der Krankheiten, die mit der Hippotherapie wirksam behandelt werden können, ist relativ breit und reicht von Pathologien des Magen-Darm-Trakts bis hin zu Funktionsstörungen des Bewegungsapparats. Laut Ostap Lun wirke sich diese Behandlungsmethode auf die menschliche Gesundheit aus, indem die grundlegenden Reflexe zur Aufrechterhaltung des Körpergleichgewichts trainiert werden. Damit eine Person nicht vom Pferd fällt, muss sie die Bewegungen des Tieres in drei Dimensionen wiederholen: oben-unten, rechts-links, vor- und rückwärts:

– Wir begannen uns mit der Hippotherapie auseinanderzusetzen, weil als ich anfing auf einem Pferd zu reiten, begann ich mich sowohl physisch als auch emotional fantastisch zu fühlen. Ich habe mich gefragt, wie das sein kann. Dann stellte ich fest, dass es so etwas wie Hippotherapie gibt und ich beschloss, dass ich mich damit beschäftigen bzw. eine solche Möglichkeit zur Verfügung stellen möchte.

Vor einigen Jahren organisierte Ostap auf der Ranch sein erstes dreitägiges Camp zur Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen und deren Eltern in die Gesellschaft. Die Kinder ritten, fuhren mit Leiterwagen in den Wald und hatten sonst viel Spaß miteinander:

– Das Ziel des Camps war die Integration, eigentlich eher die Integration der Eltern, denn es gibt fast keine Probleme mit Kindern. Eltern, die Kinder mit besonderen Bedürfnissen haben, brauchen die meiste Unterstützung, Hilfe und Sozialisierung.

Laut Ostap werde Hippotherapie am häufigsten bei der Arbeit mit Kindern betrieben, bei denen infantile Zerebralparese diagnostiziert wurde: Beeinträchtigung der motorischen und muskulären Aktivität zusammen mit der Gleichgewichtsstörung. Die Körpertemperatur eines Pferdes ist 1,5-2 Grad höher als die des Menschen, sodass die Übungen zur Aufwärmung der Beinmuskulatur von Reiter*in beitragen. Der Reitunterricht hat nicht nur eine mechanische, sondern auch eine emotionale Wirkung. Beim Kontakt mit einem Pferd entspannen sich die Kinder und vergessen den Schmerz. Während des Unterrichts denken die kleinen Patienten positiv, zeigen mehr Unabhängigkeit in ihren Handlungen und Bewegungen, fühlen sich weniger besorgt und selbstbewusster. Außerdem ist es für ein Kind einfach spannend, auf einem großen Tier zu sitzen und diese erstaunliche Welt auf solche Art und Weise zu erkunden.

Von Anfang an wollte Ostap die Hippotherapie sogar kostenlos und für jeden, der sie braucht, verfügbar machen. Aber später verzichtete er auf diese Idee, damit die Menschen solche Möglichkeit zu schätzen wissen. Denn die Pferdepflege ist nicht so einfach; abgesehen von hohen Kosten erfordert es auch viel Zeit. Jeden Tag frisst ein Pferd 6 kg Heu und 4 kg Hafer. Zur Arbeit mit Kindern ist es erst dann zugelassen, wenn es mindestens 4-5 Jahre alt ist. Davor muss das Pferd regelmäßig trainiert werden. Ausrüstung zum Reiten und für Therapieeinheiten sind ebenfalls kostenaufwendig sowie die Dienste professioneller Spezialisten für Kinderrehabilitation.

Trotz all dieser scheinbaren Schwierigkeiten wächst dieses Geschäft weiter.

Nachdem Ostap Lun fünf Jahre an einem gemütlichen Ort auf Skarbowa Hora verbracht hatte, beschloss er, Gleichgesinnte um sich zu vereinen. Heute arbeitet er an den Projekten und Modellen zukünftiger Gebäude, die dem Ostap zufolge, angemessen mit der Landschaft übereinstimmen werden. Insgesamt plant der Ranchbesitzer 10 bis 12 Gebäude zu errichten und eine Gemeinschaft junger Menschen zu bilden, die bereits etwas im Leben und im Business-Bereich erreicht haben, in Lwiw wohnen, aber außerhalb der Stadt und dabei im Einklang mit der Natur leben möchten:

– Hier gibt es einen besonderen Schatz: hier fühlt sich jeder wohl. Ich habe noch keine Menschen getroffen, die hierherkommen und ohne eine Art Frieden und Freude zurückkehren würden. Deshalb glaube ich, dass es ein Schatz ist. Frieden ist der wertvollste Schatz.

unterstützt durch

Diese Geschichte wurde dank der Unterstützung von der Botschaft der Ukraine in Österreich ins Deutsche übersetzt und publiziert.

Beitragende

Idee:

Bogdan Logwynenko

Text:

Iryna Hluschkewytsch

Redaktion:

Tetjana Rodionowa

Produktion:

Olha Schor

Foto:

Kateryna Akwarelna

Chrystyna Kulakowska

Video:

Pawlo Paschko

Maksym Sawallja

Schnitt:

Ljudmyla Kutscher

Regie:

Mykola Nossok

Bildredaktion:

Olexandr Chomenko

Transkript:

Myroslawa Olijnyk

Contentmanagement:

Kateryna Jusefyk

Übersetzung:

Andrii Yevchuk

Redaktion der Übersetzung:

Solomija Hussak

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