Wie komme ich an solche Kleidungsstücke, wie sie von Kalush Orchestra getragen werden?

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Der Sieg der ukrainischen Band Kalush Orchestra beim Eurovision Song Contest erregte Aufmerksamkeit von Hunderten Millionen Menschen. Der rosa Hut von Frontmann der Band Oleh Psjuk setzt heute den Verkaufstrend auf Märkten von der Stadt Kalush bis zu dem Onlineversandhändler Amazon. Und wo kann man „das Oberteil“ wie bei dem Flötenspieler Tymofij Musytschuk kaufen oder wie heißt seine Kernspaltflöte richtig? Wir erzählen, in welcher Kleidung die Band angezogen war und bei welchen Meisterinnen und Meister ähnliche Kleidungsstücke bestellt werden können.

Kalush Orchestra wurde durch eine Kombination von Elementen authentischer Kleidung mit moderner Kleidung erkennbar. So sahen Millionen Zuschauern aus dutzenden Ländern den huzulischen Tscheres, den bukowynischen Keptar und den pokutischen Serdak. Einige dieser Kleidungsstücke sind altertümlich und andere werden von gegenwärtigen Meisterinnen und Meister reproduziert.

Natürlich weckt das bei vielen die Neugier und den Wunsch, ähnliche Kleidungsstücke und Zubehöre zu kaufen. Aber Ethnologinnen und Ethnologen, Sammlerinnen und Sammler raten davon ab, sich authentische Kleidung anzuziehen, denn dies der alten Kleidung schädigt (sie nutzt sich schnell ab) und somit zum Verlust einzigartiger Beispiele traditioneller Kultur führt.

Stattdessen, das Beste, was man machen kann, um die traditionelle ukrainische Tracht zu bewahren und zu fördern, ist — eine Meisterin oder einen Meister zu unterstützen, indem man eine gegenwärtige Nachbildung eines authentischen Lieblingsstücks bestellt.

Wir erzählen detailliert über die traditionelle Kleidung und Zubehöre der Mitglieder der Band Kalush Orchestra, welche sie während des Auftritts trugen, und bieten Ihnen eine Auswahl an Meisterinnen und Meister und Studios, wo man ähnliche Sachen bestellen kann.

Keptar (Keptur) ist eine kurze Weste ohne Ärmel aus Schafspelz, die in den kälteren Monaten der Zwischensaison in Transkarpatien, Huzulien, Bojkiwschtschyna und Bukowyna getragen wurde. Schafspelz wurde während der Verarbeitung von innen für das Wärmen gelassen und das bereinigte Leder wurde mit Ornamenten als Talisman verziert: mit Inkrustation und Applikation aus Metall, Perlen, Leder, Fäden sowie mit Stickerei.

Der Keptar von Oleh Psjuk ist nach der bukowyner Tradition reichlich mit Perlen verziert.

Wer stellt ihn her?
Der Meister Mychajlo Wintonjuk spezialisiert sich an der Restaurierung und der Herstellung der traditionellen huzulischen Keptaren.

Die Familienmarke OKSUMORON fertigt auch die Keptaren nach den authentischen Mustern aus verschiedenen Ecken der Karpaten sowie leicht modernisierte Modelle. Für Meisterinnen der Marke, Susanna Slowak und ihre Mutter Kateryna, ist Kürschnerei (die Verarbeitung der Tierfelle zu Pelzbekleidung) teilweise ein geerbtes Handwerk.

Keptar kann auch bei der Meisterin Natalja Kischtschuk, einer Mitarbeiterin des Kossiwer Instituts für Angewandte und Dekorative Kunst bestellt werden.

Foto: @oksumoron_brand

Serdak (Sardak, Swytka) ist eine Oberkleidung aus dickem Walkstoff, die hauptsächlich mit den farbigen Fäden verziert wurde. Er wurde sowohl von Männern als auch von Frauen im Frühling, Herbst und in wärmeren Monaten des Winters getragen.

Foto: @oksumoron_brand

Wer stellt ihn her?
Das Atelier „Schljachetnyj odjah“ von Ruslan Pawljuk-Prorwa stellt die Nachbildungen traditioneller Kleidung aus den verschiedenen Regionen der Ukraine her. Sie können auch einen huzulischen Serdak fertigen, den Tymofij Musytschuk während der Aufführung trug.

Die ähnliche Ware kann auch auf Bestellung Meisterin Oksana Sokol herstellen.

Außerdem kann ein hochwertiger und authentischer Serdak bei der obengenannten Marke OKSUMORON bestellt werden.

Foto: Bohdan Petrytschuk

Ein besticktes Hemd (eine Wyschywanka) gibt es in der Garderobe fast jeder Ukrainerin und jedes Ukrainers und es ist schon seit langem zu einem Symbol der nationalen Identität geworden. Sowohl Oleh Psjuk als auch Tymofij Musytschuk haben Wyschywankas getragen. Nur wenn der Flötenspieler in ein festliches Hemd mit einem traditionelleren Ornament, einer Stickerei auf fast dem gesamten sichtbaren Teil der Brust und mit einem bestickten Kragen trägt, hat Oleh Psjuk für den Auftritt eine modernere Wyschywanka angezogen: mit Knöpfen und in einer Farbe verziert.

Wer stellt sie her?
Heute gibt es in der Ukraine genug Meisterinnen und Meister, die nur natürliche Fäden und Stoffe für die Herstellung der Wyschywankas verwenden. Es gibt viele stilisierte moderne Blusen und man findet auch Meisterinnen und Meister, die ausschließlich die traditionellen Techniken benutzten.

Unter denen, die sich mit der Herstellung der Hemden beschäftigen (einschließlich in den westlichen Regionen), sind Bohdan Petrytschuk, Olha Kapko und ihre Werkstatt ProstoKoza, Werkstatt von Magda Dswin, Kunstwerkstatt von Olenka Didyk, Olena Daniwa, Jaryna Slipezka und Anna Rohatynska.

Tscheres ist ein traditioneller breiter Männergürtel, der den Rücken gesund halten sollte und ihn von der harten Arbeit mit Holz entlasten. Später wurden solche Gürtel mit verschiedener Stickerei verziert und inkrustiert, sodass sie als Element festlicher Kleidung verwendet wurden. An den Tscheres wurden Säckchen mit Geld, Schießpulver oder Tabak gehängt; dazu könnte er spezielle Halterungen für eine Pistole, eine Bartka (einen Bergstock mit dem Handgriff in Form einer kleinen Axt — Üb.) oder eine andere Waffe haben.

Foto: Jurij Poroch

Wer stellt ihn her?
Der Autor des exquisiten Tschereses, der während des Auftritts von Kalush Orchestra getragen wurde, ist Jurij Poroch.

Tscherese werden auch auf Bestellung von der obengenannten Marke „Schljachetnyj odjah“ hergestellt — ein bojkiwer Tscheres wird zurzeit zum Verkauf zugunsten der Streitkräfte der Ukraine ausgestellt.

Prägnante und deshalb passend für alltagstaugliche Images Tscherese-Gürtel aus Leder werden im Onlineshop handwork.studio angeboten. Dieses Atelier ist auch auf der Webseite Etsy mit einer Option für den internationalen Versand vertreten.

Tajstra ist eine gewebte Umhängetasche, die traditionell von Frauen in Huzulien, Pokuttja und Bukowyna getragen wurde. Die Variationen dieser traditionellen Tasche sind fast in jedem Souvenirladen in den Karpaten zu finden. Allerdings stellen nur wenige Meisterinnen und Meister sie nach authentischen Technologien her.

Wer stellt sie her?
Meisterin Iryna Rurak stellt die bukowyner Teppich-Tajstras wie die, die Sascha Taba hatte, her. Sie können auch bei Meisterinnen und Meistern im Dorf Schypynzi bestellt werden.

Es gibt viele „touristische“ Varianten der huzulischen Kleidung und Zubehöre: Diese kann man zum Beispiel auf der Webseite hucul.if.ua finden. Hier kann man auch die handgefertigten Ware finden, die aber günstiger sind, als Waren, die komplett auf Bestellung hergestellt werden.

Telynka (tylynka) ist eine Art von Kernspaltflöte, die traditionell von den Hirten gespielt wurde, die Schafe zur Weide brachten. Sie fertigten eine Telynka selbst, denn es einfacher war, als eine Sopilka (eine ukrainische traditionelle Kernspaltflöte mit sechs bis acht Fingerlöchern — Üb.) herzustellen. Telynka hat keine traditionelle Fingerlöchern entlang der Seite und der Notenunterschied wird durch die Kraft des Atems des Musikers und durch Virtuosität des Fingerdrucks auf der Öffnung für den Luftauslass erzeugt.

Wer stellt sie her?
Die Telynka für Tymofij Musytschuk wurde von dem Bilozerkiwer Meister Wassyl Nahirnyj hergestellt. Sie wurde nach einer alten Technologie, aber aus modernen Materialien produziert. Der huzulische Meister Mychajlo Tafijtschuk fertigt Musikinstrumente, vor allem Telynkas, ganz authentisch — komplett aus Holz.

Foto: Alina Kondratenko

Unter anderen Meistern sind noch Wolodymyr Wichrenko aus der Region Podillja und Jaroslaw Loschak, Meister aus der Region Huzulien, zu erwähnen. Sein Bruder Taras Loschak produziert auch Blasinstrumente und verkauft sie gegen Spenden für die Streitkräfte der Ukraine.

Die gleiche Idee wird den Liebhabern von „Stefania“ von Dmytro Beresjuk angeboten — er hat sich bereit erklärt, Telynkas gegen Spenden für die Streitkräfte der Ukraine herzustellen.

Beitragende

Idee:

Bogdan Logwynenko

Text:

Sofija Anzscheljuk

Anastasija Hulko

Chefredakteurin:

Natalija Ponedilok

Redaktion:

Jewhenija Saposchnykowa

Bildredaktion,

Autor des Titelblattes:

Jurij Stefanjak

Übersetzung:

Halyna Wichmann

Redaktion der Übersetzung:

Wiktorija Mychajlowa

Contentmanagement:

Anastasija Schochowa