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Die Entführung von Kindern ist ein Verbrechen der Russischen Föderation, das durch den täglichen Beschuss ukrainischer Städte oft unbemerkt bleibt. Der Terror-Staat verschmäht keine Mittel, um die Ukrainer als Nation zu vernichten, und erzieht ihre jungen Nachkommen zu eigenen Bürgern um. So werden ukrainische Kinder nicht nur zu Geiseln des Imperiums, sondern auch zu Opfern. Die Methoden der Russifizierung sind vielfältig: Das „Neuprogrammieren“ geschieht durch Bildung, Kultur und Religion.

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Das Material enthält Links zu russischen Websites, auf die Sie über ein VPN-Programm zugreifen können.

Kinder als Gefangene von Imperien

Was die Russische Föderation ukrainischen Kindern antut, war bereits in der Geschichte zu beobachten: Nazideutschland und das heutige China sind Beispiele dafür, wie die Assimilation von Kindern zur Staatspolitik wurde.

Germanisierung um jeden Preis

Während sich Deutschland allmählich vom Ersten Weltkrieg erholte, erlebte es Mitte der 1930er Jahre einen spürbaren Rückgang der Geburtenrate, da so viele Männer gestorben waren und sich die Wirtschaft noch nicht erneuert hatte. Um neue Soldaten für die Wehrmacht (die Streitkräfte Nazideutschlands) zu rekrutieren, wurden Frauen zur Zielscheibe der Propaganda, indem sie aufgefordert wurden, sich auf die Mutterschaft zu konzentrieren. Es wurden Organisationen gegründet mit dem Ziel, Familien Hilfe zu leisten: „Mutter und Kind“ und „Lebensborn“, was so viel wie „Lebensquelle“ bedeutete. Alleinstehende Frauen konnten in Notunterkünften Kinder zur Welt bringen, wonach sie vom Staat versorgt wurden.

Die Grundlage der Tätigkeit dieser Organisationen bildete jedoch keineswegs Wohltätigkeit: Sie verkörperten in erster Linie die Rassenideologie von Adolf Hitler und dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler. So mussten beide Elternteile alle „Kriterien der nordischen Rasse“ erfüllen. Es wurde die Schwangerschaft, hervorgerufen durch Angehörige der SS-Schutzeinheiten (kurz für Schutzstaffel), gefördert, die zum „ehrenvollen Auftrag“ der Befruchter berufen wurden.

Rassenideologie der Nationalsozialisten
Die Ideologie der NS-Diktatur sah die Bildung einer Rasse von Menschen „erster Klasse“ vor, zu welcher unter anderem Deutsche nordischen Typus (weißhäutig, blond und ohne „Beimischung“ anderer Rassen) gehörten, um die angebliche historische Gerechtigkeit zu reproduzieren und sie dominant in der Welt zu machen.

Eine der Haupttätigkeiten von „Lebensborn“ war die Germanisierung minderjähriger Kinder aus anderen Ländern. In den besetzten Staaten wurden Kinder mit arischem Aussehen selektiert, nach Deutschland transportiert und den Deutschen zur Erziehung übergeben.

So wurden beispielsweise Kinder aus Slowenien deportiert, deren Väter wegen ihrer Hilfeleistungen für Partisanen erschossen und deren Mütter in Konzentrationslager geschickt wurden. Das größte Leid wurde jedoch polnischen Kindern zugefügt, denn Heinrich Himmler versuchte, die Identität der Polen vollständig zu vernichten. Das Problem lag darin, dass die Polen nach der Besetzung ihres Landes ununterbrochen Widerstand leisteten und zu einem „Dorn im Auge“ des Reiches wurden. Die Kinder erhielten neue deutsche Namen, das Geburtsdatum wurde in den Dokumenten nach eigenem Ermessen festgelegt und der Geburtsort wurde in der polnischen Stadt Posen (pl. Poznań) angegeben, da „Lebensborn“ von dort am häufigsten Kinder aufnahm. So wurde ihre wahre Herkunft verschleiert.

Die Folgen von Verbrechen dieser Operation werden insbesondere von der zeitgenössischen Vereinigungesondere von der zeitgenössischen Vereinigung “Geraubte Kinder – Vergessene Opfer” untersucht. Zusammen mit anderen Organisationen liefert sie folgende Daten über die Zahl der entführten und „umerzogenen“ Kinder:

– Polen: mehr als 200 000;
– Böhmen und Mähren (Gebiet der heutigen Tschechischen Republik): 1000;
– Slowenien: 1100;
– UdSSR: 20 000.

China. Genozid

Seit 2014 verhaftet die chinesische Regierung unter Führung des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) Xi Jinping Angehörige der muslimischen Turkvölker Uiguren und Kasachen ohne Gerichtsverfahren. Diese sind indigene Völker Chinas, die sich darum bemühen, ihre Authentizität zu bewahren, und aus diesem Grund nicht in der Staatssprache kommunizieren und ihrer Religion in einem atheistischen Land treu bleiben. Natürlich passt diese Einstellung der herrschenden Elite nicht, die mit allen Mitteln versucht, sie an die anderen anzupassen.

Zwischen 2017 und 2022 wurden mehr als eine Million Menschen verhaftet – die größte Inhaftierung ethnischer und religiöser Gemeinschaften seit dem Zweiten Weltkrieg. Die chinesische Regierung bestreitet die Existenz der Lager und nennt sie stattdessen freiwillige „Zentren für Transformation durch Bildung“. Diejenigen Menschen, die dorthin geraten, haben jedoch kein Recht, diesen Beschluss anzufechten.

Die Regierung hält Uiguren willkürlich in Lagern fest, geht mit ihnen grausam um, prägt ihnen ihre politischen Ansichten ein, bestraft sie mit Zwangsarbeit, unterdrückt religiöse Zeremonien, führt Zwangssterilisationen, Empfängnisverhütung und Abtreibungen durch. Infolgedessen sank die Geburtenrate in den überwiegend uigurischen Regionen Khotan und Kashgar von 2017 bis 2019 um fast 60 %. Tausende Moscheen wurden zerstört oder beschädigt und Hunderttausende Kinder wurden gewaltsam von ihren Eltern getrennt und in Internate geschickt.

Viele uigurische Eltern studierten oder verdienten ihren Lebensunterhalt im Ausland und ließen ihre Kinder in der Obhut von Familienmitgliedern in ihrer Heimatregion oder in Xinjiang. Diese Region sei 2014 „in Ungnade gefallen“, als China öffentlich einen „Volkskrieg gegen den Terror“ und damit verbundene Maßnahmen zur Bekämpfung des „religiösen Extremismus“ ankündigte. Eine Kampagne von Massenverhaftungen und systematischer Repression hinderte uigurische Eltern daran, nach China zurückzukehren, um sich selbst um ihre Kinder zu kümmern. Ebenso können ihre Kinder China nicht verlassen, um mit ihnen im Ausland wieder vereint zu werden.

Die Tragödie von Familien in Xinjiang, die gewaltsam getrennt wurden, ist nur eines der ethnischen Verbrechen Chinas. Die Assimilation von Uiguren und anderen muslimischen Volksgruppen, die schrittweise durchgeführt wird, ist eine imperiale Politik der Vernichtung versklavter Völker. Ähnliche Geschichten beobachten wir seit Jahrhunderten in der Ukraine, nur unter Beteiligung eines anderen Aggressor-Staates.

Russifizierung der Ukrainer

Zeitalter des Imperialismus

Die Politik der Russifizierung der Ukrainer wurde seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts systematisch. Das Russische Reich begann mit der aktiven Zentralisierung: Es versuchte, alle „kleinen“ Nationen seiner Zusammensetzung in einem einzigen Land zu integrieren.

Dank dessen erhielten „großrussische“ Hersteller und Händler Präferenzen und bildeten ein staatliches Monopol. Später wurden auch in der Ukraine russische Formen der Bewirtschaftung und Landnutzung eingeführt, und eine große Anzahl russischer Bauern erschien an ihren Ostgrenzen. Darüber hinaus wurde die russische Orthodoxie zur Hauptreligion erklärt, und auch die ukrainische Justiz und das Gesetz wurden nach und nach verdrängt. Auf diese Art und Weise drang die russische Sprache, verstärkt durch Verbote und Zensurerlasse gegenüber dem Ukrainischen, in alle Bereiche des öffentlichen Lebens ein. An Hochschulen wurde die russische Sprache in speziellen Kursen unterrichtet, da ihre Kenntnisse für Beamte obligatorisch wurden.

Am 18. Juli 1863 wurde das geheime „Walujew-Zirkular“ unterzeichnet, das den Druck wissenschaftlicher Werke in ukrainischer Sprache untersagte, Kunstwerke zensierte und Sonntagsschulen verbot.

Und dreizehn Jahre später, 1876 wurde der Emser Erlass verabschiedet, der das Ukrainische aus dem Kirchenleben, der Musik, dem Theater und dem Buchdruck verdrängte.

Unter Alexander dem Dritten an der Macht (1881–1894) erreichte die Vernichtungspolitik alles Ukrainischen ihren Höhepunkt. Zu dieser Zeit wurde ein Dekret erlassen, das die Taufe von Kindern mit ukrainischen Namen verbot. Neugeborenen wurde im Voraus das Recht auf ukrainische Identifizierung entzogen. Die Politik, eine Person vom jüngsten Alter an zu kontrollieren, wird auch in der Sowjetzeit beibehalten.

Sowjetzeiten: homo soveticus

Obwohl die Assimilation in ein einziges russisches Volk bereits in den imperialistischen Zeiten begann, bildeten sich ihre Idee und ihr Name schließlich während der sowjetischen Besatzung heraus. Der Ausdruck „Sowjetvolk“ tauchte Mitte der 1930er Jahre auf. Während dieser Zeit kämpfte das stalinistische Regime aktiv gegen den „bürgerlichen Nationalismus“, entzog jedoch weiterhin nicht russischen Völkern ihre Rechte. Seitdem ist das Konzept des „Sowjetvolkes“ in der praktischen Tätigkeit der Regierungsstellen führend geworden. In den 1970er Jahren wurde es immer öfter wiederholt.

Die Idee des "Sowjetvolkes"
„In der UdSSR hat sich eine neue historische Gemeinschaft von Menschen verschiedener Nationalitäten gebildet, die gemeinsame Merkmale, ein gemeinsames sozialistisches Mutterland – die UdSSR, eine gemeinsame wirtschaftliche Basis, eine sozialistische Wirtschaft, eine gemeinsame soziale Klassenstruktur, eine gemeinsame Weltanschauung – den Marxismus-Leninismus , ein gemeinsames Ziel – den Aufbau des Kommunismus, viele Gemeinsamkeiten im geistigen Gesicht, in der Psychologie haben“ (Aus der Rede von Nikita Chruschtschow auf dem XXII. Parteitag der KPdSU, 1961).

Um verschiedene Völker zu vermischen, förderten die sowjetischen Behörden die Migration, schufen multinationale Arbeitsteams und sorgten für eine gemeinsame Sprache. Die einzige Kommunikationssprache in einer solchen Gesellschaft war Russisch, daher hatten Kinder, die in dieser Zeit geboren wurden, keine anderen Alternativen.

Bereits 1958–1959 wurde eine absolute Minderheit der Kinder in großen ukrainischen Städten in ihrer Muttersprache unterrichtet: Iwano-Frankiwsk – 39,4 %, Kyjiw – 26,8 %, Dnipropetrowsk – 17,4 %, Odesa – 8,1 %, Luhansk – 6,5 %, Charkiw – 4,1 %, Donezk – 1,2 %. Wenn also 1970 nur 7,4 % der Einwohner in den Städten der Ukrainischen SSR kein Russisch konnten, waren es 30,6 %, die kein Ukrainisch sprachen. Es gab eineinhalb Mal mehr Ukrainer, die in Städten lebten und Russisch als ihre Muttersprache betrachteten, als Russen (45,1 % und 30,2 % respektive).

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Assimilation durch Millionen von Waisenkindern, die auf Waisenhäuser verschiedener Republiken verteilt und als Russen registriert wurden und denen charakteristische Nachnamen wie „Ivanow“, „Petrow“, „Sidorow“ etc. gegeben wurden.

Der Autor des Buches „Zwei Welten. Kinder in den USA und der UdSSR“ (1976), der amerikanische Psychologe Urie Bronfenbrenner beschrieb die sowjetischen Erziehungsmethoden als „kraftvoll, effektiv und detailliert entworfen“. Er stellte fest, dass diese Erziehung ein klares Ziel hatte – die kommunistische Moral zu bilden. „Disziplin in einem Kollektiv wird bedingungslos akzeptiert, egal wie streng sie nach westlichen Maßstäben zu betrachten wäre“, bewunderte er das Verhalten der sowjetischen Kinder.

Die sowjetische Regierung schuf ein solches System, das Kinder zu hingebungsvollen Patrioten, aktiven Erbauern der kommunistischen Gesellschaft und Internationalisten erzog. Dies wurde als die wichtigste und ehrenhafteste Pflicht der sowjetischen Familie gegenüber dem Volk und dem Land angesehen. Allerdings bedeutete Internationalismus in dieser Hinsicht die totale Dominanz des Russischen.

1958 verabschiedete die Kommunistische Partei in Moskau eine Resolution über den Übergang der ukrainischen Schulen zu Russischen als Unterrichtssprache. Bereits ein Jahr später nahm die Werchowna Rada der Ukrainischen SSR den entsprechenden Beschluss an und verabschiedete das Gesetz „Über die Stärkung der Verbindung zwischen Schule und Leben und über die Weiterentwicklung des öffentlichen Bildungswesens in der Ukrainischen SSR“. Seitdem ist das Erlernen der ukrainischen Sprache in den Schulen fakultativ geworden. Die Partei erklärte dies als “Forderung von Eltern und Kindern”, aber in Wirklichkeit löschte sie gezielt alles Ukrainische aus. Die Zahl der Schulen mit ukrainischer Unterrichtssprache ging zurück, das Erlernen der ukrainischen Sprache und Literatur an russischen Schulen wurde ignoriert, die Zahl der Unterrichtsstunden für ukrainische Literatur und Sprache in sonderpädagogischen Einrichtungen der Sekundarstufe wurde reduziert.

In ukrainischer Sprache wurden in der Ukrainischen SSR im Studienjahr 1959–1960 — 70,6 %, 1970–1971 — 60,4 %; 1976–1977 – 57,8 % der Schüler unterrichtet. Auf Russisch 28,6 %; 38,8 %; 41,3 % der Schüler respektive. Die meisten russischsprachigen Schulen befanden sich in regionalen und industriellen Zentren. Unter anderem wurde 1974 in Woroschilowgrad in 51 von 54 Schulen in russischer Sprache unterrichtet; in Saporischschja — in 80 von 99; in Charkiw — in 139 von 144; in Kyjiw — in 106 von 222; in den Städten Schdanowe, Makijiwka, Rubischne und einigen anderen Städten wurde der Unterricht in allen Schulen auf Russisch abgehalten. Und ab 1987 unterrichteten 73,7 % der Schulen in regionalen Zentren in der Sprache des nördlichen Nachbarn.

Die Situation war an Hoch- und Berufsschulen die gleiche. Nach den damaligen Regeln war eine der Aufnahmeprüfungen die russische Sprache und Literatur, was die Absolventen ukrainischer Schulen im Vergleich zu denen, die auf Russisch lernten, in eine ungleiche Position brachte. Auch Fachprüfungen wurden nur in dieser Sprache abgehalten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auch die sozialistischen Staaten mehr oder weniger stark russifiziert, insbesondere diejenigen, die Teil der von Moskau kontrollierten Einheiten waren: die Organisation des Warschauer Pakts und der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe. In den meisten von ihnen wurde Russisch als Pflichtfach eingeführt.

Zeiten der Unabhängigkeit. Deportation von Kindern

Mit Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine tauchten Informationen über die Zwangsdeportation von Kindern in das Territorium des Aggressor-Staates auf. Die ersten Versuche begannen bereits im Jahr 2014, und ab dem 24. Februar 2022 wurde dieses Phänomen massenhaft.

Die Zahlen der deportierten Kinder schwanken in verschiedenen Berichten stark, da solche „Umzüge“ nicht überwacht oder verfolgt werden können. So erklärte der Menschenrechtskommissar Dmytro Lubinez in einem Interview mit „Voice of America“, dass im September 2022 7.000 abgeschobene Kinder bekannt gewesen seien. Dies ist jedoch nur eine bestätigte Zahl, in Wirklichkeit können es viel mehr gewesen sein. Die Russen behaupten, dass etwa 119.000 Kinder in ihr Land „geflohen“ seien. Die Tatsache der Entführung wird auch von Pawlo Suschko, dem Vorsitzenden der temporären Untersuchungskommission der Werchowna Rada, die sich mit Fällen der Verletzung der Kinderrechte befasst, bestätigt. Er behauptet, es gebe etwa 557.000 entführte ukrainische Kinder.

Die Frage der Russifizierung und „Aneignung“ von Kindern der Russischen Föderation wird ziemlich strategisch angegangen. Im Mai 2022 vereinfachte Russland das Verfahren zum Erwerb der Staatsbürgerschaft für Kinder, die unter Besatzung standen. Dies erleichtert den Prozess ihrer Adoption auf dem Gebiet des Aggressor-Staates.

Das vereinfachte russische Adoptionsrecht trägt zu den Verbrechen der Russischen Föderation gegen die Menschlichkeit bei. Jeder Fall der Abschiebung von Ukrainern – Kindern und ihren Eltern oder Verwandten – ist eine Verletzung internationaler Gesetze, insbesondere der UN-Konvention von 1948 „Über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes“, des IV. Genfer Abkommens von 1949 „Zum Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten“ und der Konvention von 1989 „Über die Rechte des Kindes”.

Um die Russen dazu zu ermutigen, zwangshaft deportierte Kinder zu adoptieren, wird ihnen eine „einmalige Zahlung von Mutterschaftskapital und Staatshilfe“ angeboten. Dies sind 20.000 Rubel (ca. 271 Euro) pro Jahr für jedes adoptierte Kind und ca. 150.000 Rubel (ca. 2034 Euro) für ein Kind mit einer Behinderung, ein Kind, das älter als 7 Jahre ist, oder die „Adoption“ von Geschwistern.

Es ist bekannt, dass allein in der Region Krasnodar in Russland mehr als 1.000 aus Mariupol deportierte ukrainische Kinder zur „Adoption“ freigegeben wurden. Die Abteilung für Familien- und Jugendangelegenheiten der Region Krasnodar teilt mit, dass die Kinder, die von den russischen Besatzern aus der zerbombten ukrainischen Stadt geholt wurden, nun in Tjumen, Irkutsk, Kemerowo und in der Region Altai leben werden.

An Zynismus mangelt es den russischen Machthabern nicht: Am 26. Oktober gab Maria Lwowa-Belowa, die russische Kinderrechtsbeauftragte des Präsidenten, bekannt, dass sie einen aus Mariupol entführten Jungen „adoptiert“ habe. Außerdem seien 350 Waisenkinder aus der Ostukraine „bereits in 16 Regionen Russlands in Pflegefamilien untergebracht worden“.

Laut ukrainischen Massenmedien haben die Besatzungsbehörden eine große Anzahl Minderjähriger illegal aus Tawrija und Saporischschja deportiert. So wurden am 25. Oktober mehr als 2.000 Kinder im Alter von 4 bis 17 Jahren aus dem Süden von Feodosia gewaltsam deportiert.

Die russischen Besatzer sehen in der Entführung von Kindern aus ukrainischen Familien gerade eine Bestrafung ihrer Eltern. Ein auffälliger Trend ist, dass es unter den entführten jungen Ukrainern viele gibt, deren Eltern sich an der ATO (Anti-Terror-Operation) beteiligten und öffentlich eine pro-ukrainische Position zum Ausdruck brachten. Viele dieser Erwachsenen wurden gefoltert, einige erschossen und ihre Kinder zur „Umerziehung“ nach Russland geschickt.

Die Russische Föderation, die ihre indigenen Völker und nationalen Gemeinschaften ständig in den Krieg schickte, ist derzeit mit einer demografischen Krise konfrontiert. Der große Verlust an Arbeitskräften, den Russland in einem umfassenden Krieg gegen die Ukraine erleiden wird, verschlimmert die Situation nur. Daher kann eine solche Auffüllung der Bevölkerung mit neuem „slawischem“ Blut sowohl als eine Möglichkeit angesehen werden, diese Verluste zumindest geringfügig auszugleichen, als auch als eine weitere Möglichkeit, die Ukrainerschaft zu zerstören. Dies ist ein stiller Völkermord, der sehr schwer nachzuvollziehen ist und daher die Täter zu bestrafen sind. Darüber hinaus nutzt die Russische Föderation entführte Kinder zu Propagandazwecken für ihr heimisches „patriotisches“ Publikum. Zum Beispiel schrieb der Berater des Bürgermeisters von Mariupol, Petro Andriuschtschenko, im Juni in seinem Telegram-Kanal, dass die Besatzer junge Bewohner von Mariupol und Bildungsvertreter gezwungen hätten, in einem Propagandavideo aufzutreten, in dem sie die Hymne Russlands und der „jungen Republiken“ singen müssten, auf deren Ankunft sie angeblich seit 2014 gewartet hatten.

Eine neue Kriegsphase. Russifizierung von Kindern in den besetzten Gebieten

Seit Beginn des Krieges im östlichen Teil der Ukraine vernichtet die russische Regierung die ukrainische Sprache schrittweise, was man in der Tat als Sprachmord bezeichnen kann. Beispielsweise können auf der Krim nur 0,1 % der Schüler auf Ukrainisch ausgebildet werden. Es gibt eine formal ukrainische Schule auf der Halbinsel, aber selbst sie hat keine Lehrbücher in ukrainischer Sprache. Dementsprechend ist die Stundenzahl für das Erlernen der ukrainischen Sprache und Literatur geringer als für Russisch. Außerdem wurden Schulbücher, die bis 2014 benutzt wurden, massenhaft vernichtet. Und im Geschichtsunterricht wird zu 70 % die Geschichte Russlands und zu 30 % die Weltgeschichte vermittelt. Das heißt, die Geschichte der Ukraine lernen die Kinder überhaupt nicht.

Ähnlich ist die Situation in den besetzten Gebieten der Region Donezk. Dort wurden im Grundschulunterricht die Unterrichtsstunden „Ukrainische Sprache“ durch „Sprache der Donbas-Völker“ und „Ukrainische Literatur“ durch „Literarische Lektüre der Donbas-Völker“ ersetzt. Diese Änderungen wurden von den Besatzungsbehörden offiziell verabschiedet. Sie werden einmal wöchentlich unterrichtet, während ähnliche russische Fächer täglich unterrichtet werden. Anstelle von „Geschichte der Ukraine“ lernen Kinder die Geschichte des Russischen Reiches und der Region Donezk in der Unterrichtsstunde „Geschichte des Vaterlandes“. Und die Geographie der Region Donezk — anstelle von „Geographie der Ukraine“. Das heißt, zusätzlich zu der Tatsache, dass die Region Donezk künstlich von der Ukraine getrennt wird, verändert es auch die Wahrnehmung der gesamten Ukraine. Wenn man bedenkt, wie gezielt Russland den Osten der Ukraine russifiziert hat, ist es fast dasselbe, als würde man ständig nur die Geschichte des Invasionslandes lehren.

Ukrainische Lehrer werden nur dann in ihren Positionen gehalten, wenn sie mit den Besatzern kollaborieren. Oft fehlen bereitwillige Fachkräfte für die Arbeit in der Schule, sodass Menschen ohne Bildungsbezug an ihre Stellen berufen werden. In ukrainischen Schulen werden russische Fahnen aufgehängt, russische Lehrbücher werden mitgebracht und der Unterricht beginnt mit der russischen Nationalhymne. Gleichzeitig arbeitet die sogenannte Besatzungsmacht der Krim aktiv mit den Besatzern zusammen. Insbesondere beschäftigt sie sich mit der „Umschulung von Lehrern aus Schulen der Regionen LNR, DNR, Saporischschja und Cherson“, schickte Lehrer von der Krim nach Cherson, um „bei der Anpassung an das russische Schulbildungssystem zu helfen“ etc.

Das Hauptmerkmal der „neuen Schule“ „auf Russisch“ ist die Militarisierung von Schulkindern. Fast unmittelbar nach der Besetzung von Starobilsk wurde in der Stadt das größte “Kadetten”-Korps mit 400 Plätzen im vorübergehend besetzten Gebiet der Region Luhansk eröffnet. Tatsächlich werden diese Kinder auf die zukünftige Teilnahme am Krieg auf der Seite Russlands vorbereitet.

Ein weiteres Beispiel für „militärische“ Erziehung in den sogenannten DNR und LNR ist die Stunde „Donbas-Staatsbrügerpflicht“. Bei solchen „Stunden“ wird Kindern von den „großen Herrschern des Russischen Reiches“, von „Donbas ist das Herz Russlands“ etc. erzählt.

Ukrainische Lehrer weigern sich immerhin größtenteils, für die Besatzer zu arbeiten, also bringen die Russen ihre eigenen dorthin. Mehr als 250 Lehrer erklärten sich bereit, aus verschiedenen Regionen der Russischen Föderation in die besetzten ukrainischen Gebiete zu kommen. Diese Lehrer werden Unterricht in russischer Sprache erteilen und offenbar ukrainische Kinder mit der Kreml-Propaganda „indoktrinieren“, das heißt, sie werden sie auch russifizieren. Lehrern, die einer solchen Arbeit aufgrund des Widerstands der Ukrainer und der „instabilen“ Situation nicht zustimmen, wird der Status eines Teilnehmers an Feindseligkeiten und ein höheres Gehalt als zu Hause angeboten. Darüber hinaus werden sie sogar mit Problemen bei der Arbeit erpresst.

Ukrainische Lehrer, die sich unter Besatzung befinden, lassen sich jedoch manchmal auf die Zusammenarbeit mit den Besatzern (freiwillig oder unter Zwang aufgrund der Lebensgefahr) ein. Stand 1. September 2022 gibt es noch etwa 1.000 Lehrer in Mariupol, von denen die meisten zugestimmt haben, „Fortbildungskurse“ zu belegen, um vom ukrainischen Lehrplan auf den russischen umzusteigen. Ab dem 1. September wurde dort in allen Schulen ein neues Fach, „Gespräche über wichtige Dinge“, eingeführt, das ukrainische Kinder „umerziehen“ soll. Im Unterricht wird den Kindern die Liebe zu Russland und der Hass zur Ukraine vermittelt.

Gemäß Artikel 111-1 des Strafgesetzbuches der Ukraine ist ein Lehrer, der freiwillig russische Bildungsstandards umsetzt und somit dem Aggressor beisteht, ein Kollaborateur. Als Strafe gelten Strafarbeiten bis zu 2 Jahren oder Festnahme bis zu 6 Monaten bzw. Verhaftung bis zu 3 Jahren mit Entzug des Rechts, bestimmte Positionen zu beziehen und sich für 10–15 Jahre an der Bildungstätigkeit zu beteiligen.

Die Russen setzen die Politik der Russifizierung und der Neigung zur Kollaboration fast unmittelbar nach der Besetzung der ukrainischen Gebiete aktiv um. Um zu untersuchen, wie ukrainische Schulkinder dort ihre Ausbildung erhalten, hat das Cedos-Analysezentrum eine Studie „Bildung in den besetzten Gebieten der Ukraine (für den Zeitraum vom 24. Februar bis 30. April 2022)“ durchgeführt. Wo die Kämpfe andauern oder wo die überwiegende Mehrheit der Kinder im schulpflichtigen Alter evakuiert wurde, gibt es überhaupt keinen Schulbetrieb. In den Räumlichkeiten einiger Schulen platziert das russische Militär seine Kommandoposten und andere Einheiten. Sobald jedoch die aktiven Feindseligkeiten aufhören, beginnen die Besatzer aktiv mit der Russifizierung lokaler Schulkinder.

Die Russifizierung ist ein Beispiel für die Vernichtung der nationalen Identität, die Teil des Völkermords der Russischen Föderation ist. Das Schlüsselelement dieses Verbrechens ist die Absicht, die Ukrainer als nationale Gruppe ganz oder teilweise zu vernichten. Unter solchen Bedingungen sind Kinder die am wenigsten geschützte und am stärksten gefährdete Personengruppe, daher benötigen sie den größten Schutz.

Beitragende

Idee:

Bogdan Logwynenko

Text:

Oleksdandr Ljutyj

Chefredakteurin:

Anja Jablutschna

Redaktion:

Marija Horbatsch

Bildredaktion:

Jurij Stefanjak

Contentmanagement:

Kateryna Jusefyk

Übersetzung:

Roksoliana Stasenko

Redaktion der Übersetzung:

Wolfgang Zehetbauer

Koordination der Übersetzung:

Alla Mandzjuk